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Ratgeber

Kasperletheater zu Hause: Stücke, Figuren und eine Bühne zum Selberbauen

Drei kurze Stücke zum Nachspielen, eine kleine Figurenkunde und Ideen, wie aus Türrahmen, Tisch, Sofa oder Karton eine Bühne wird. Für Familien, Kitas und alle, die zum ersten Mal Kasperletheater spielen.

Kasperlepuppe Seppel mit grünem Hut und rot kariertem Hemd, Serie munabo ART

Kasperletheaterstücke: drei kurze Geschichten zum Nachspielen

Jedes Stück dauert etwa fünf Minuten, braucht drei oder vier Figuren und höchstens ein Requisit, das sich im Haushalt findet. Die Sätze sind Vorschläge: Wer sie einmal gelesen hat, spielt frei weiter und lässt die Kinder mitreden.

Der Apfelkuchen der Großmutter

Figuren: Kasper, Großmutter, Räuber, Polizist. Requisit: ein Kuchen – ein Bauklotz oder ein Stück Pappe genügt.

Kasper: „Tri-tra-trullala, der Kasper ist schon wieder da! Seid ihr alle da?“ Die Kinder rufen „Jaaa!“, und schon kommt die Großmutter mit ihrem frisch gebackenen Apfelkuchen. Sie stellt ihn zum Abkühlen vor die Tür und bittet den Kasper, gut aufzupassen.

Der Kasper verspricht es, gähnt und schläft ein. Da schleicht der Räuber heran. Jetzt sind die Kinder dran: „Kasper, wach auf!“ Der Kasper schreckt hoch, doch der Kuchen ist weg. Er fragt das Publikum, wohin der Räuber gelaufen ist, aber der ist längst über alle Berge. Also holt der Kasper den Polizisten.

Gemeinsam stellen sie dem Räuber eine Falle. Der Kasper ruft: „Die Großmutter hat noch einen zweiten Kuchen gebacken!“ Das hört der Räuber, und weil er nie genug bekommt, kommt er zurück, den gestohlenen Kuchen noch unter dem Arm. Der Polizist wartet schon und nimmt ihn mit. Der Kasper bringt der Großmutter den Kuchen zurück, und sie teilt ihn mit allen.

Das Krokodil und die Würstchen

Figuren: Kasper, Seppel, Krokodil. Requisit: eine Würstchenkette, zum Beispiel eine Kordel mit ein paar Knoten.

Kasper und Seppel wollen ein Picknick machen. Der Seppel trägt die Würstchen und ist mächtig stolz darauf. Hinter ihm taucht das Krokodil auf, die Kinder rufen „Seppel, hinter dir!“, der Seppel dreht sich um – und das Krokodil ist schon wieder abgetaucht. Das geht dreimal so, und jedes Mal rufen die Kinder lauter.

Beim vierten Mal schnappt das Krokodil zu und verschwindet mit den Würstchen im Maul. Der Seppel jammert, der Kasper überlegt. Schließlich ruft er: „Krokodil, ich kenne ein schönes Lied!“ Neugierig kommt das Krokodil zurück. Der Kasper singt ihm ein Schlaflied vor, und alle Kinder summen mit. Das Krokodil gähnt, legt den Kopf auf den Bühnenrand und schläft ein.

Leise ziehen Kasper und Seppel ihm die Würstchen aus dem Maul. Als das Krokodil aufwacht, ist es traurig und hungrig. Da lädt der Kasper es zum Picknick ein: „Teilen ist besser als Stehlen!“

Das Zauberwort

Figuren: Gretel, Hexe, Kasper. Requisit: ein Zauberstab, ein Kochlöffel tut es auch.

Die Hexe ist schlecht gelaunt, weil sie nie jemand besucht. Als die Gretel vorbeikommt, schwingt die Hexe ihren Zauberstab: „Hokuspokus, eins, zwei, drei, mit dem Reden ist’s vorbei!“ Von da an kann die Gretel nur noch „Quak!“ sagen.

Der Kasper findet die Gretel und versteht kein Wort. Die Kinder erzählen ihm, was passiert ist. Wütend stapft er zur Hexe: „Gib der Gretel sofort ihre Stimme zurück!“ Die Hexe schüttelt den Kopf: „So nicht. Wie heißt das Zauberwort?“ Der Kasper weiß es nicht und fragt das Publikum. Die Kinder rufen: „Bitte!“

Der Kasper sagt freundlich: „Bitte!“ Und schon klappt es: Die Hexe schwingt den Zauberstab, und die Gretel kann wieder sprechen. Ihr erster Satz: „Morgen kommen wir dich alle zum Tee besuchen!“ Nun bekommt die Hexe endlich Besuch, und vor Freude sagt sie sogar „Danke“.

So gelingt die Vorstellung

Lassen Sie den Kasper jedes Stück eröffnen und fragen, ob alle da sind, auch wenn er in der Geschichte erst später auftritt. Damit wissen die Kinder, dass sie mitreden dürfen, und genau davon lebt das Kasperletheater: Warnen, Antworten und Mitsummen gehören dazu.

Jede Figur bekommt eine eigene Stimme: hoch und schnell der Kasper, tief und langsam der Räuber, krächzend die Hexe. Allein spielen Sie mit zwei Händen zwei Figuren gleichzeitig; die übrigen liegen griffbereit unterhalb des Bühnenrands. Kommen in einer Szene drei Figuren zusammen, tritt eine kurz ab, oder Sie holen sich jemanden dazu. Das Krokodil-Stück spielt sich am leichtesten zu zweit.

Lieber kurz spielen und am nächsten Tag wiederholen: Beim zweiten Mal kennen die Kinder das Stück schon und rufen noch lauter mit. Irgendwann wollen sie selbst hinter die Bühne. Dann spielt ein Kind den Kasper, und ein Erwachsener übernimmt einen Gegenspieler, etwa das Krokodil oder den Räuber.

Die Besetzung der drei Stücke

Kasper, Seppel, Großmutter und Räuber aus der Serie munabo ART, dazu Gretel, Krokodil, Hexe und Polizist.

Alle Kasperlepuppen

Figurenkunde und Bühnenbau

Die Rollen im Kasperletheater sind seit Generationen weitgehend dieselben, und jede Figur hat ihre feste Aufgabe. Eine einfache Bühne entsteht aus dem, was ohnehin im Haus ist.

Kasper, Seppel, Gretel und die Großmutter

Der Kasper ist der Held jedes Stücks: neugierig, vorlaut, manchmal etwas bequem, aber immer auf der Seite der Schwächeren. Er spricht das Publikum direkt an und holt sich bei den Kindern Rat. Bekannt wurde sein Name durch das Wiener Volkstheater des späten 18. Jahrhunderts; als Handpuppe zog er im 19. Jahrhundert mit den Puppenspielern über die Jahrmärkte.

Sein bester Freund ist der Seppel, gutmütig und ein wenig arglos. Gerade deshalb passt er in Szenen, in denen ihn das Publikum warnen muss. In Bayern und Österreich heißt der Kasper Kasperl, und vor allem in Bayern sind Kasperl und Seppel ein festes Paar. Die Gretel ist in vielen Stücken Kaspers Frau oder Freundin und hat oft die rettende Idee. Und die Großmutter backt und kocht – oft dreht sich alles um ihren Kuchen oder ihre Würstchen.

munabo ART →

Räuber, Krokodil, Hexe und Polizist

Ohne Gegenspieler gibt es keine Geschichte. Der Räuber ist immer hinter fremden Sachen her und lässt sich leicht überlisten, weil er nie genug bekommt. Gefährlich wird es mit dem Krokodil: Es frisst, was es erwischt, am liebsten Würstchen, und taucht genau dann auf, wenn der Kasper wegschaut. Die Hexe zaubert und droht; im Stück „Das Zauberwort“ ist sie vor allem einsam und deshalb schlecht gelaunt. In anderen Stücken ist statt der Hexe der Teufel oder ein Zauberer der Gegenspieler.

Für Ordnung sorgt der Polizist, in älteren Stücken auch Wachtmeister oder Gendarm. Meist holt ihn der Kasper zu Hilfe, und gemeinsam fassen sie den Übeltäter. König, Königin, Prinz und Prinzessin gehören zu den Märchenstücken: Dort stellt der König die Aufgabe, und der Kasper löst sie.

Kasperlepuppen →

Ein Kasperletheater im Türrahmen

Am schnellsten wird ein Türrahmen zur Bühne. Spannen Sie eine Klemmstange quer hinein, wie man sie für Vorhänge ohne Bohren verwendet. Darüber kommt ein Tuch, das bis zum Boden reicht: ein Bettlaken, eine Decke oder ein Stück Stoff. Ein paar Wäscheklammern halten es fest.

Die Stange mit dem Tuch ist jetzt der Bühnenrand, im Puppenspiel Spielleiste genannt. Über ihm treten die Figuren auf, die Spieler bleiben dahinter unsichtbar. Die Stange sitzt knapp über den Köpfen der knienden oder sitzenden Spieler; spielen Kinder selbst, kommt sie entsprechend tiefer. Ein helles Tuch an einer Schnur hinter den Spielern, etwas höher als die Stange, gibt einen ruhigen Hintergrund. Die Klemmstange trägt nur das Tuch: Ob sie fest sitzt, prüfen Sie am besten vor jeder Vorstellung, und aufstützen sollte sich niemand darauf.

Tisch, Sofa oder Karton

Spielen Kinder selbst, geht es auch ohne Klemmstange. Hinter einem Tisch, über den vorn eine Decke bis zum Boden hängt, verschwinden sie, wenn sie sich tief genug hinknien, und die Tischkante wird zum Bühnenrand. Ähnlich funktioniert ein Sofa, das etwas von der Wand abgerückt ist: Die Kinder knien dahinter, die Rückenlehne ist der Bühnenrand. Sie können einen Tisch auch auf die Seite kippen, sodass die Platte zum Publikum zeigt; dann spielen die Kinder über die obere Kante. Achten Sie darauf, dass er nicht umfallen kann.

Etwas Bleibendes entsteht aus Karton. Ein hoher Gerätekarton, etwa von einem Kühlschrank, steht aufrecht auf dem Boden, die Rückseite bleibt offen. Vorn bekommt er ein Fenster, das so weit oben sitzt, dass die knienden Kinder dahinter unsichtbar bleiben; die Unterkante des Fensters ist der Bühnenrand, die Figuren kommen von unten herein. Das Ausschneiden mit dem Cutter übernimmt ein Erwachsener, das Bemalen die Kinder. Ein Geschirrtuch an einer Schnur über dem Fenster wird zum Vorhang. Für Fingerpuppen reicht ein Schuhkarton.

Beratung und Kauf auf Rechnung

Fragen zu den Figuren und zum Kasperletheater beantworten wir gern am Telefon und über unser Kontaktformular. Kitas, Schulen, Praxen und Seniorenheime können bei uns auch auf Rechnung bestellen; freigeschaltet wird der Rechnungskauf nach einer Prüfung des Kundenkontos.